_výborný_

kounicova, 601 87 brno

habe ich mich in einer fremden stadt je so wohl gefühlt? hier finde ich, wonach ich immer gesucht habe: das gute leben. es ist nicht die pflichtenferne auszeit allein oder das stetig schöne wetter. (letztes jahr in der schweiz war ich immer bedrückt, der ort durch und durch falsch, wollte ich nichts als heim.) hier denke ich nie an berlin (und wenn doch mit leichter beklemmung ich will nicht zurück). und ich frage mich also, was es ist, was so gefällt, was das leben so angenehm macht?

keinerlei aggressivität der menschen. überall begegnen mir wohlwollen, hilfsbereitschaft, freundlichkeit. die leute sind aufmerksam wie italiener, aber nicht aufdringlich, sondern diskret, haben immer zeit für einen gruß ein paar worte im vorübergehen. die stadt ist überschaubar (sie schrumpfte seit der ankunft beträchtlich, jetzt kenne ich mich überall aus, traute mir sogar das radfahren zu) und bietet doch alles, was man braucht für alltag ausflüge sport kind kultur.
es gibt ein zentrum, urban und prächtig, abwechslungsreich, ohne auftrumpfenden protz wie in budapest oder wien. die plätze sind nicht für helden, sondern für kartoffeln, würste, mährischen wein (gerade wird der heurige probiert) sowie deren esser und trinker. und auch für die hier wie überall jedes hindernis schrill aus dem weg klingelnde straßenbahn.
es sind beim spazierengehen nicht endlos fassaden abzuschreiten, kilometerweite plätze zu überqueren, wo nur der wind den müll quirlt. es ist ein beständiges auf und ab, manchmal steil, manchmal fast unmerklich, die straßen nicht gerade, ihr gefüge nicht rechtwinklig. sondern kurvig, die plätze unregelmäßig, vierecke, dreiecke. so gewinnt man immer neue ansichten, behält den überblick. bei regen findet sich schnell ein vorstehender balkon, eine passage, nicht nur zum unterstellen. gleich kann man kaffee trinken, schaufenster betrachten, ein museum besuchen, eine galerie.
und doch ist brünn eine richtige stadt, keine miniatureisenbahn.
brünn ist alt und modern, im großen ganzen wie im detail. ich kann mich reinzoomen und finde immer neues, überraschendes, interessantes, an jeder fassade, auf dem pflaster, in den parks (manche von ihnen wahre arboreten). schönheiten, die harmonieren, obwohl sie aus verschiedenen zeiten kommen. selbst in der stilistischen, der funktionalen spannung verbindet sie ein geist.
es wird nicht gespart. es gibt von allem genug, ja immer ein bisschen mehr als nötig. bänke, uhren, lampen, brunnen, schließfächer, mülleimer, straßenbahnen cafés. und natürlich kneipen. und bier. es ist platz da für alle genug raum drum herum. großzügigkeit im überschaubaren. menschliches maß.
die stadt ist jung, mehr als jeder zehnte eine studentin. die kinderwagendichte höher als die der SUVs. spielplätze überall, klein oder groß, gepflegt, mit großzügig ausgestreuten schippen und förmchen, theater am wochenende, live-musik, kaffeeausschank, törtchen und eis, die toiletten sind sauber und kostenlos. und in blick- und hörweite hat man bei allem stets die unablässig fahrenden trolleys und trams. verlässlicher luxus alltäglichkeit.